Weitverbreitet ist die kindliche Vorstellung, je mehr umso besser. Doch kennen die meisten das Gefühl, wenn sie immer nur ihr Lieblingsessen zu sich nehmen oder andauernd nur ein Lieblingslied anhören. Irgendwann kann die Person es nicht mehr riechen, schmecken, hören. Deshalb geht es darum, die Sehnsucht aufrecht zu erhalten. Das erinnert an das Geheimnis von Friedrich Torberg’s Tante Jolesch, die unglaublich gut kochte. Nach ihrem Rezept gefragt, verriet sie irgendwann (sinngemäß): „Ich habe immer ein bisschen zu wenig gekocht.“

In unserer Gesellschaft werden wir vom Überangebot fast erschlagen. Es ist eine besondere Herausforderung dieser Zeit sich beschränken zu können um das Besondere zu erhalten. In diesem Sinne, bestimmte Obst- und Gemüsesorten nur wenn sie Saison haben zu essen, steigert den Genuss. Im Sommer schmecken die Erdbeeren und Tomaten die in der näheren Umgebung wachsen ganz anders als die importierten Erdbeeren und Tomaten im Winter. Sie sind zwar das ganze Jahr über erhältlich, doch es gibt qualitative Unterschiede. Wenn ich sie nur im Sommer esse, sind Freude und Genuss ganz besondere Erlebnisse. Auch das Warten und die Vorfreude gehören dazu – wie zu Weihnachten!

Jede Person, die bei der AKTION.TROCKEN mitmacht, wird die eigenen, persönlichen Beweggründe und Motivation haben. Diese Worte von Elmar Simma sind eine Einladung zum Nachdenken.

Je mehr du hast… von Elmar Simma, ehemaliger Caritas Seelsorger

Was ist eine Versuchung? Spontan würde ich sagen: Wenn uns etwas reizt, lockt, anmacht und wir gleichzeitig wissen, dass wir das nicht tun oder sagen, kaufen oder essen sollten.

Das Zeitwort bedeutet etwas anderes als das Hauptwort: „Versuchen“ heißt probieren, wagen. Es kann ja durchaus positiv sein, etwas auszuprobieren, zu schauen, ob ich es noch schaffe, eine Zeit lang auf etwas zu verzichten, keinen Alkohol zu trinken, keine Schokolade zu essen usw. Gut und recht, aber darum geht es in der Fastenzeit eigentlich nicht.

Die Vorbereitungszeit auf Ostern ist kein Persönlichkeitstest: Was bringe ich her? Auch keine Wellness-Kur, um sich körperlich und psychisch besser zu fühlen.

Die Fastenzeit will ein Weg in eine größere Freiheit sein. Heinz Nußbaumer berichtet von einem Mönch auf dem Berg Athos, der im Gespräch zu ihm sagte: „Je mehr du hast, umso mehr hat es dich!“

Frei werden wir nur, wenn wir weniger besitzen, anhäufen, uns einverleiben wollen und dankbar zufrieden sind mit dem, was uns geschenkt ist.

Nimm dir etwas Zeit, über die folgende Frage nachzudenken: Was bedeutet für mich Glück?